Schon mal was von Waldbaden gehört? Nein, dann wird es höchste Zeit, denn endlich hat auch die Wissenschaft bewiesen, wie erholsam so ein Aufenthalt im Wald sein kann.
Ich bin ein Bürogummi, sitze oft stundenlang am Computer oder in Sitzungen, mit viel Glück ergattere ich wenigstens einen Platz mit Blick ins Grüne. Grün ist für mich nicht nur einfach eine Farbe, vielmehr ist sie Inspiration und Lebenselixir, sie holt mich an einem hektischen Tag zurück auf den Boden und gibt mir die nötige Distanz zum Stress im Alltag. Es ist kein Zufall, dass ich in Gehdistanz zum Wald wohne, denn ich verbringe hier ganz viel meiner freien Zeit; ob beim Spazieren, beim Ausreiten oder mit dem Bike.
Der Aargau ist ein Waldkanton. Ein Drittel seiner gesamten Fläche ist mit Wald bedeckt, davon gehören nur gerade sieben Prozent dem Staat. Er steht allen zur Verfügung und die Infrastruktur und die Zugänglichkeit sind hervorragend. Egal ob bei heissen Temperaturen im Sommer oder bei eisig-kalter Bise im Winter, der Wald bietet stets Schutz vor widrigen Wettereinflüssen. Nach einem Besuch fühle ich mich gut, ausgeruht und aufgetankt, aber ehrlich gesagt habe ich mich nie aus wissenschaftlicher Hinsicht für diesen Effekt interessiert, bis ich auf den Begriff des Waldbadens gestossen bin. Ein neumodischer Schnickschnack, habe ich mir gedacht, genau wie die Fitness-Industrie erfindet auch die Wellnesswelt immer wieder neue «Trends», die uns angeblich vorwärts bringen sollen. Aber nun hat die Wissenschaft zugeschlagen und das Waldbaden ist aus Japan unter dem klingenden Namen Shinrin-yoku zu uns rübergeschwappt. Im Wald steige die Zahl der Killerzellen, und das Immunsystem verbessere sich, schreiben die Wissenschaftler. Blutdruck, Kortisol und Puls würden sinken – schon nach einer Stunde im Wald. Ob es der Modergeruch der Erde oder die ätherischen Öle der Bäume sind, ob es das Zurückfinden zur Natur oder auch die Kraft der Achtsamkeit ist, die uns positive Effekte bescheren, darüber werden gerade diverse Studien gemacht. Spannend ist es allemal zu sehen, wie sich der neue Trend in ein lukratives Geschäftsmodell verwandelt und wer weiss, vielleicht dürfen wir neben all den anderen touristischen Highlights den Aargau bald auch als Waldkanton im Gesundheitstourismus positionieren.