24.06.2021
Über Flüsse, Indianer und Stand-up Paddlen

Im Gegensatz zu was Göla glaubt, gibt es tatsächlich noch Indianer in (Nord) Amerika. Genau bei denen hatte ich das Glück als 8-jähriger Paddeln kennenzulernen. Damals nach meiner ersten Tour fühlte ich mich wie der König der Meere. Mit dem Wasser des Flusses im Blut (nach dem ersten Schluck) und der Strömung im Kopf verbrachte ich den ganzen Tag. Es war das Paradies für mich. Irgendwie spürte ich schon damals, wie die Strömungen des Flusses einem Kraft gibt. Es ist aber eher so, dass man sich einfach danach besser fühlt; stärker, kräftiger einfach Glücklich.

Norbert Sommerfeld, Gründer & Inhaber Madfish Wildwasser SUP
Norbert Sommerfeld
Gründer & Inhaber Madfish Wildwasser SUP

Mit 17 hatte ich genug von Kanada, ich wollte eben einfach «uff und dervo». 2 Wochen später stand ich am Ufer des Reuss Rivers in Stetten. Zu dieser Zeit bestand mein Deutsch Vokabular nur aus zwei Wörtern «Josephli» (so dachte ich hiess mein Onkel damals, natürlich war sein Name Joseph) und «schöne sunntig» (irgendwie dachte ich, dass es Schweizerdeutsch war für «Goodbye»).  Aber das alles war egal, denn die Reuss verstand mich. Sie wusste, wo ich hin wollte, und brachte mir die Freude meiner Kindheitserinnerungen zurück. Später erfuhr ich, dass meine Familie (Seiler/Wetter aus Busslingen) Generationen zuvor den Fähri Betrieb über die damals noch sehr lebendige und wilde Reuss führte. Von da an war es für mich klar: Die Reuss ist mein neues Zuhause.

Zwischen der Holzbrücke bei Bremgarten und der Ausstiegsstelle in Mülligen gibt es inzwischen einige Brücken und der Fähri-Man wird wohl nicht mehr gebraucht. Ausser bei Sulz, wo man immer noch traditionell den Fluss überqueren kann. Ich sehe hier immer wieder Kinder an der Fähri und ich glaube manchmal auch anhand ihres Lächelns, dass sie, so wie ich, den Fluss spüren können. Wenn ich auf dem Fluss unterwegs bin, ist es ein unglaubliches Gefühl: Ich werde eins mit der Strömung und den Wellen und in diesem Moment gibt’s nur mich und den Reuss River.

Inzwischen führe ich selbst ein Unternehmen an der Reuss: Madfish Wildwasser SUP (Stand-Up Paddel Schule). Ich lerne hier den Teilnehmenden meine Freude am Spüren des Flusses. Ich bin überzeugt, dass man hiermit Gutes bewirkt für die Umwelt. Ich erzähle den Teilnehmenden von meiner allerwichtigsten Erfahrung bei der eigenen «Paddel-Lehre». Die Mohawk Indianer lernen als Kind bereits die Erde als Lebenswesen zu betrachten und die Flüsse als ihre Adern. Klar, das ist nicht für jeden, aber mein Ziel hier ist, die Kommunikation mit dem Fluss zu ermöglichen. Mir ist bewusst, dass jeder dies anders versteht. Manche als Aktion und Reaktion und andere wiederum als die Sprache des Flusses.

Wenn wir die Kursteilnehmenden für einen Wildwasser SUP Kurs am Morgen begrüssen, sind oft noch etwas angespannte Gesichter zu sehen. Zu Beginn bekommt jeder Teilnehmer seine ganze Paddelausrüstung und alle sind erst mal beschäftigt mit dem Anziehen von Neoprenanzug, Schwimmweste und Helm. Dann gibt es einen kurzen Theorieteil, wo alles erklärt wird. Jetzt los, die ersten Versuche auf dem Wasser. Was an Land noch so easy war, ist dann etwas schwieriger im Wasser und vor allem in der Strömung. Nach einem ereignisreichen Morgen sind alle hungrig und gleich neben der schönen Reuss geniessen wir zusammen unser Mittagessen.

Sie haben Interesse an einem SUP-Kurs? Melden Sie sich für einen Einsteiger-, Safety & Rescue-, Technik- oder Advanced-Kurs an: www.wildwassersup.ch

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