Ein halbes Leben lang habe ich Geschichte unterrichtet. Historie im Schulzimmer schmeckt allzu oft nach trockenem Militärguetsli. Anders dagegen eine Stadtführung. Da erlebt man Vergangenheit mit allen Sinnen, taucht in sie ein, kann sie spüren und riechen. Einen Stadtturm erklimmen, in ein muffiges Verliess steigen, durch einen dunklen Gang kauern – Erlebnisse dieser Art bietet keine Schulstunde.
Warum gerade eine Führung durch Bremgarten?
Da ist einmal eine Altstadt wie im Bilderbuch: Türme, Mauern, Prachtbauten, malerische Winkel, gruselige Ehgräben – und der schönste Kirchhof weit und breit, der «kleine Vatikan». Faszinierend auch die Lage in der Flussschlaufe: Wasser, Wasser überall.
In Bremgarten lebten auch Menschen mit spannenden Geschichten. Der Reformator Heinrich Bullinger zum Beispiel. Wegen seines Glaubens vertrieben, machte er Karriere in Zürich, als Nachfolger Ulrich Zwinglis am Grossmünster. Bremgarter Wurzeln hat auch Plazid Weissenbach, erster SBB-Generaldirektor. Ironie der Geschichte: Nach Bremgarten fährt keine SBB. Auch Frauenpower kennt die Stadt an der Reuss: Franziska Dosenbachs Start-up wurde zum Schuhimperium, als Marke weit bekannt.
Wir Stadtführerinnen und Stadtführer sind Liebhaber unserer Stadt. Freude, Interesse und Herzblut spornen uns an. Den Gästen Augen und Sinne öffnen und sie zum Schmunzeln bringen, das wollen wir erreichen. Unsere Bühne, die Bremgarter Altstadt, ist (noch) nicht so herausgeputzt und auf Edelglanz poliert wie andere Städte. Viele Besucherinnen und Besucher sind überrascht, wie hier Urtümliches erhalten ist, was anderswo der Moderne geopfert worden ist. Das schönste Kompliment nach einer Stadtführung:
«Ich hetti nie tänkt, das Brämgarte so vil bütet!»