Chesslete ist ein Fasnachtsbrauch aus Solothurn, bei dem mit Lärminstrumenten jeglicher Art, mit Glocken oder Rätschen, der Winter vertrieben werden soll. Er ist seit 135 Jahren bekannt. Die Chesslete existiert auch in anderen Teilen des Kantons Solothurn, in der Stadt Zug und im Laufental. Im Schwarzbubenland wird sie teilweise auch Morgenstreich genannt.
Schmutziger Donnerstag 5 Uhr. Menschen in weissen Gewändern treffen sich an einer Bushaltestelle im Oberdorf von Erlinsbach. Die Hauptstrasse ist hier auch die Kantonsgrenze: Die Häuser links der Strasse stehen im Kanton Solothurn, die Häuser rechts der Strasse im Aargau. Die «Chesslete» in Erlinsbach startet damit an einem Ort, der für die ganze Fasnacht in «Speuz» symbolisch ist. Die mannigfaltigen Lärminstrumente dürfen erst auf Zeichen nach dem Glockenschlag in Betrieb genommen werden. Vorher herrscht im Dorf absolute Ruhe. Dann aber geht’s los, und die lustige weiss gekleidete Schar zieht durch die Quartiere.
Mit lauten Instrumenten, Pfannendeckeln, Rätschen und Trillerpfeifen werden die Bewohnerinnen entlang der Route unsanft aus dem Schlaf gerissen. Dem fasnachtsverrückten Dorf wird mit einigen Dezibel eingehämmert, dass das Fasnachtsfieber ausgebrochen ist. Nach dem einstündigen Marsch finden sich die Chessler im Festzelt ein, wo sie für ihr frühes Aufstehen mit einer würzigen und wärmenden Mehlsuppe, gesponsert vom Fasnachtskomitee, belohnt werden. Anschliessend strömen die Menschen zur Arbeit oder verweilen beim Wein oder Kaffi Lutz bis das Zelt schliesst.