Für mich gibt es nichts Entspannenderes, als bei einem Waldspaziergang neue Energie zu tanken und dem Alltag zu entfliehen. Egal ob an einem sonnigen Frühlingstag, nach einem Sommergewitter oder an einem kalten Herbsttag.
Gerne möchte ich Sie auf eine erlebnisreiche Tour in meiner alten Heimat mitnehmen. Auf dem Waldweg zwischen Wohlen und Bremgarten werden Sie in die Welt der Freiämter Sagen entführt.
Aufgewachsen im Freiamt (so wie ich), wird man bereits als Kind mit der mystischen Geschichte des Wohlener Erdmannlisteins vertraut gemacht.
Die Blöcke des Erdmannlisteins zählen zu den grössten noch erhaltenen Erratikern der Gegend. Mit den andern Findlingen zeigen sie eine auffallende Häufung. Ihre Anordnung ist als prähistorische Kultstätte zu deuten. Der bekannteste ist ohne Zweifel der geheimnisvolle Erdmannlistein. Leicht schwebt der mächtige obere Klotz auf den beiden Basissteinen. Wie konnte er mit seinem Gewicht von rund 60 Tonnen auf die 3-Punkt-Auflage gelangen?
Der Sage nach sollen im freien Mittelraum der Steingruppe kleine Erdmännchen gehaust haben. Wer sie rief oder siebenmal mit angehaltenem Atem um den Stein herumlief, soll sie gegen ein kleines Entgelt an Kraut, Kohl oder Rüben tanzen gesehen haben. Eine solche Sage will es haben, dass jedem, der es wagte, den Stein zu behauen, die Erdmannli den Kopf abrissen. Als zwei finstere Gesellen einst Steine in die Erdhöhle warfen, soll ein heftiges Stöhnen und Winseln zu vernehmen gewesen sein, wie man es noch jetzt nachts hören soll. Die Erdmännchen aber sind seit diesem Tag verschwunden. An Anziehungskraft hat der Erdmannlistein indessen nicht verloren.
Ist Ihr Atem genügend lang um siebenmal mit angehaltener Luft um den Stein zu laufen?
Für diejenigen, welche noch nicht völlig ausser Puste sind, geht die Reise weiter. Sie können dem Waldweg entlang weitere Geschichten des Freiämter Sagenweg entdecken. Es sind 12 spannende Einzel- und Gruppenskulpturen zu finden.